„Das Patientenwohl muss im Mittelpunkt stehen“

Dr. Hans-Peter Kemmer, ehemaliger Ärztlicher Direktor der Lungenklinik Hemer, bringt sein Wissen beim Thema Krankenhaus – und Hygienemanagement jetzt bei CLINARIS ein. Sechs Fragen an unseren neuen Beirat zum Thema Digitalisierung in Krankenhäusern.

Wie digital-affin sind aus Ihrer Sicht die deutschen Krankenhäuser?

Dr. Hans-Peter Kemmer: Deutschland ist dem Digitalisierungs-Zug in vielen Bereichen lange Zeit hinterhergerannt, so auch im Gesundheitswesen. Beschleunigt durch die Corona-Krise schreitet die Digitalisierung in den Krankenhäusern und Kliniken nun aber massiv voran. Insgesamt betrachtet sind wir also auf einem guten Weg, auch wenn andere europäische Länder im Vergleich bislang schon wesentlich besser aufgestellt sind. Die Beteiligten im Gesundheitswesen haben aber die Notwendigkeit erkannt, hier weiter aufzurüsten, ob das die elektronische Patientenakte, eine smarte Software-Applikation für das Betten-Management bis hin zu Robotik in den OPs betrifft.

Menschen müssen die Digitalisierung umsetzen. Was ist der entscheidende Hebel, um die Mitarbeitenden im Krankenhaus dafür zu begeistern?

Dr. Hans-Peter Kemmer: Technisch sind viele Dinge machbar, aber in meiner Beratertätigkeit versuche ich auch, das alltägliche Leben im Krankenhaus miteinzubringen und immer wieder zu fragen, welchen Nutzen der Anwender hat? Denn Digitalisierung bedeutet auch Veränderung, für die ich Menschen gewinnen muss. Manch ältere Mitarbeitende im Krankenhaus tun sich mit der Computerarbeit noch schwer. Damit das Alltagsgeschäft bewältigt werden kann müssen sie den Nutzen neuer Techniken erkennen und dürfen diese vor allem nicht als Bedrohung ihres Arbeitsplatzes empfinden. In diesem Zusammenhang sind sinnvolle Schulungen ein hilfreiches Instrument.

Sind auch die Führungskräfte gefordert? Sollte Changemanagement Bestandteil der Ausbildung sein?

Dr. Hans-Peter Kemmer: Digitalisierung bedeutet Veränderung und ist damit Chefsache. Das haben die Krankenhäuser verstanden und berücksichtigen bereits seit einiger Zeit bei der Auswahl von Führungskräften auch dieses Thema.

Wie groß ist der Erwartungsdruck durch Patienten an eine Digitalisierung der Krankenhauslandschaft?

Dr. Hans-Peter Kemmer: Das Patentenwohl muss im Zentrum unserer Bemühungen stehen. Die Patienten äußern es nicht immer explizit, aber sie erwarten von der Infrastruktur mit TV und WLAN über die Organisation des Hauses bis hin zu den Betten eine State-of-the-Art-Versorgung – Digitalisierung inklusive. Nehmen Sie beispielsweise Wartezeiten im Krankenhaus, sie sind oft eine unangenehme Situation für Patienten. Wenn ich dann die Digitalisierung unter dem Aspekt der Patientenzufriedenheit betrachte, kann ich mit ihrer Hilfe rascher für kürzere Wartezeiten bei den einzelnen Behandlungen sorgen.

Wie können Krankenhäuser ihre Hygienestandards in die Öffentlichkeit transportieren?

Dr. Hans-Peter Kemmer: Vor Corona waren Krankenhauskeime ein großes Thema, die Patienten sind also bereits für die Bedeutung einer bestmöglichen Hygiene sensibilisiert. Sie erwarten zu Recht, dass die Betten hygienisch rein sind. Und sie beobachten an langen Krankenhaustagen, wie z.B. die Zimmer gereinigt und die Krankenhausbetten aufbereitet werden. Dazu gehört auch, dass der Aufbereitungsprozess – zum Beispiel durch HPM® von CLINARIS – unterstützt und mittels Scans dokumentiert wird. Das können Krankenhäuser auch in der Öffentlichkeit darstellen, indem sie etwa über die Hygienemaßnahmen auf der Homepage berichten, im jährlichen Qualitätsbericht der Klinik oder in Patienten-Flyern.

Was waren Ihre Gründe für eine Zusammenarbeit mit CLINARIS?

Dr. Hans-Peter Kemmer: Schon während meines Medizin-Studiums an der RTWH Aachen bin ich früh mit der digitalen Welt in Kontakt gekommen. Als Herr Meinolf Köhn (Vertriebsleiter der CLINARIS GmbH) mich angesprochen hat, reizte mich natürlich das Thema Digitalisierung im Krankenhaus, insbesondere auch in der Hygiene. Ich finde es spannend und sehr sinnvoll, HPM® und die Möglichkeiten dieses Instruments in die Krankenhauslandschaft einzubetten. Ich kann dabei als ehemaliger Klinikarzt vor allem auch die Sicht der Nutzerseite einbringen und erläutern, was Krankenhäuser davon haben, wenn sie die Applikation einsetzen.